alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

KrAZ 258, Bj. 1968

Typ: Kras 258   Eigengewicht: 12.400 kg
Fabrik-Nr.: 3783480 Gesamtgewicht: 21.700 kg
Baujahr: 1968 Nutzlast: 9.300 kg
Antriebsmaschine: 240 PS bei 2.100 U/min Maße über alles:
Hubraum: 14.860 ccm Länge: 7.860 mm
Hersteller: Autowerk Krementschug Breite: 2.650 mm
Art: Straßenzugmaschine Höhe: 2.870 mm

 

KrAZ 258 – Gigant aus dem Osten

KrAZ wurden sie geschrieben, Kras wurden sie ausgesprochen und krass im Wortsinne waren sie. Im Westen bleiben sie unbekannt, in der ehemaligen DDR gehörten sie zum Straßenbild wie Wartburg und Schwalbe – diese gigantischen Lastwagen aus der Sowjetunion.
Während des zweiten Weltkriegs, als die UdSSR mit anderen gegen Deutschland verbündeten Staaten zusammenarbeitete, gelangten über 400.000 Lastwagen aus amerikanischer, kanadischer und britischer Produktion in sowjetische Militärbestände. Darunter befanden sich auch etliche schwere Zugmaschinen des amerikanischen Herstellers Diamond-T. Auf Militärs und Transportspezialisten machten die wuchtigen Lastwagen mächtigen Eindruck, so dass nach Kriegsende über eine eigene Schwerlastwagenproduktion nachgedacht wurde. Weit vor Beginn des kalten Krieges hatte sich die UdSSR die Nachbaulizenzen von General Motors Zweitakt-Dieselmotoren gesichert, die in den in der Stadt Jaroslawl gebauten LKW verbaut wurden. Im Jahre 1959 wurde die Fertigung in die ukrainische Stadt Krementschug verlegt. Stand bislang JaAZ für Jaroslawlskij Awtomobilnyj Zawod auf den Typenschildern so war die neue Bezeichnung nun Krementschugskij Awtomobilnyj Zawod, KrAZ.
Der zu schwache Motor der bisherigen KrAZ-Typen gab 1963 den Anlass, die Konstruktion ein weiteres Mal zu überarbeiten. Auf den Zeichentischen wurde nun ein eigener Motorbaukasten entwickelt. Das Zweitaktprinzip wurde verlassen und die neuen V6-, V8- und V12-Motoren werkelten nach dem Dieselprinzip nun im Viertakt. Der 1955 am Typ 214 erstmals verwirklichte Allradantrieb wurde auf Empfehlung der Militärbehörden weiter verbessert.  Die nun im Bauprogramm vorhandenen Fahrzeuge, die sich äußerlich von ihren Vorgängern nicht unterschieden,  waren je nach Ausführung für bis zu 12 Tonnen Nutzlast ausgelegt. Zugmaschinen, Muldenkipper, Pritschewagen und Sattelschlepper konnten je nach Bedarf mit der Antriebsformel 6x4 oder 6x6 geliefert werden. Der Typ 258 war dabei eine Sattelzugmaschine mit Hinterradantrieb (6x4), motorisiert mit einem 15 Liter Hubraum aufweisendem V8-Aggregat mit 275 PS. Der Normverbrauch lag bei 38 Litern Diesel auf 100 km, voll beladen konnten es auch schon mal 60 Liter und mehr werden. Doch der Ölverbrauch war in der UdSSR nur von sekundärer Bedeutung, solange er für das Allgemeinwohl von Wichtigkeit war.
Ebenso sekundär waren Komfortansprüche des Fahrpersonals. Servolenkung und Druckluftbremse waren die einzigen Sicherheits- und Bequemlichkeitskomponenten, als Heizung fungierte der Motor. Doch der Ärger über die rauen Arbeitsbedingungen wich spätestens dann einer großen Wertschätzung, wenn schwierige Pisten unter klimatischen Extremwerten pannenfrei bewältigt wurden. Die einfache und robuste Konstruktion der KrAZ-Lastwagen brachte die Augen der Piloten spätestens dann zum Glänzen.
Bis 1990 wurden die archaisch anmutenden Ungeheuer gebaut, von denen im Rahmen des RGW-Abkommens auch einige tausend in die DDR geliefert wurden. Dort wurden sie besonders gerne für Schwertransporte eingesetzt, konnten sie doch bis zu 100 Tonnen
an ihren Zughaken nehmen.
Nach der Wende ereilte auch die russischen Zugmaschinen sehr schnell das Schicksal der Missachtung. Alles Östliche war plötzlich nicht mehr gut genug und musste schnellstmöglich Produkten aus dem Westen weichen.

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