Meyer Kippanhänger – Das doppelte Kippchen
Die Kapazitätserhöhung eines Fahrzeuges durch ein antriebsloses Anhängsel war schon aus den Pferdekutschenzeiten bekannt und bewährt. Auch im Eisenbahnwesen war es von Anbeginn an üblich, beliebig ausgestattete Anhänger von Zugmaschinen zu ziehen. Die Grenzen der Anhängelast wurden von der Motor- und Bremsleistung des Zugfahrzeugs bestimmt. Man nehme also einen Motorlastwagen und hänge was hinten dran und schon kann mehr befördert werden! Mit dem Aufkommen der ersten Kippaufbauten für Lastwagen, wurden auch die ersten Kippanhänger hergestellt. Kippaufbauten spielten ihren Vorteil insbesondere bei Schüttgütern aus, die nun nicht mehr mühselig mit der Schüppe entladen werden mussten. Geschah der Kippvorgang zunächst noch mechanisch per Hand, in dem etwa mit einer Kurbel ein Übersetzungsmechanismus betätigt wurde und dieser dann die Ladefläche in der Neigung verstellte, gab es schon bald Konstruktionen, die auch diese anstrengende Arbeit übernahmen. Während heute die Ölhydraulik den modernsten Stand der Technik verkörpert und durch ihre rationelle Herstellung inzwischen preiswert verfügbar ist, so gab es auch andere Kipp-Techniken. Insbesondere in der Frühphase der Hydraulik war diese noch recht teuer. Eine Alternative hierfür war zum Beispiel der Bremsluft-Kipper, der die im Zugfahrzeug vorhandene Druckluftanlage für den Kippvorgang nutzt.
Apropos Druckluftanlage. Seit den 1930er Jahren erstmalig eingebaut, ist die Anwendung von Druckluft in Kombination mit der Bremshydraulik als Betriebsbremse in den 1950er Jahren auch in der mittleren Nutzlastklasse zum Serienstandard geworden. Hierbei erzeugt ein vom Motor angetriebener Luftkompressor den zur Betätigung der Flüssigkeitsbremse notwendigen Luftdruck, Schwankungen des Luftdruckes werden durch einen in das System integrierten Luftkessel ausgeglichen. Bei reinen Druckluftbremsen, wie sie bei Lastwagen ab etwa 10 Tonnen Gesamtgewicht heute üblich sind, werden die Kolben im Radbremszylinder direkt durch die Druckluft beaufschlagt und nicht mehr durch Bremsflüssigkeit bewegt. Damit ist die erzielte Bremskraft nicht mehr direkt von der am Bremspedal vom Fuß des Fahrers aufgebrachten Kraft abhängig, der Fahrer steuert diese nur über den Pedalweg. Neben der Versorgung des Bremssystems des Motorwagen und etwaiger weiterer Verbraucher wie etwa einer Luftfederung oder eines Druckluftanlassers dient die Druckluftanlage auch der Bremse eines Anhängers als Luftversorgung. Die Ausrüstung eines Anhängers mit einer Druckluftbremse hat sich nicht zuletzt aus Gründen der Verkehrssicherheit als alleiniges System durchgesetzt. Reißt unter unglücklichen Umständen etwa die Zug-Kupplung, so löst sich auch die Anhänger und Motorwagen verbindende Schlauchkupplung des Druckluftsystems. Die Luft entweicht aus dem System, der Kolben des Hauptbremszylinders wird nicht mehr von der Luft in der Gelöst-Stellung gedrückt halten, sondern kehrt in die von Federkraft definierte Gebremst-Stellung zurück. Der Anhänger kommt zum Stehen.
Ein Hindernis für den Einsatz eines Anhängers auf einer Baustelle war häufig die schlechte Manövrierbarkeit im Gelände. Bei schwersten Einsätzen wurde daher eher auf einen solo fahrenden Dreiachser zurückgegriffen, der auf den öffentliche Straße mit einem Gesamtgewicht von 22 Tonnen verkehren durfte. Abseits öffentlicher Wege war konstruktiv eine höhere Tonnage erlaubt, aber auch diese stellte häufig nur einen Richtwert dar, der gerne überschritten wurde. Der Einsatz von Kippanhängern war und ist in der Regel auf einen leichten Zubringerverkehr zu den Baustellen beschränkt.
Während bislang selbstverständlich davon ausgegangen wurde, Kipper gehören auf die Baustelle, so soll noch kurz ein weiterer damals verbreiteter Einsatzzweck erwähnt werden:
Der Kohlenhändler! Auch hier wurden gerne die Ladekapazität einer einzigen Fahrt erhöht, indem ein Kippanhänger an den Haken genommen wurde. Die auf dem Gehweg abgekippten und auf eine mühsame Verbringung in den Keller wartenden Kohle- und Eierbriketthaufen sind heute aus dem Straßenbild jedoch verschwunden! |