Kaelble KDV 12 Z 6 – Schwäbische Schwerkraft Teil II
Die kleine und feine Zugmaschinen-Manufaktur aus dem schwäbischen Backnang bei Stuttgart wird als Maschinenfabrik Carl Kaelble am 28. April 1898 in das Handelsregister eingetragen. Zunächst umfasst das Fabrikationsprogramm landwirtschaftliche Gerätschaften und Sägen. Im Jahre 1903 hat der junge Carl Kaelble seinen ersten schnellaufenden Ottomotor soweit fertig konstruiert, dass er seine Maschinen mit Antriebsquellen aus eigener Fertigung ausstatten kann. 1906 folgt die erste derart ausgerüstete Zugmaschine und 1911 die erste Motorwalze. Die Walzenfertigung steht dabei an der Spitze eines Baumaschinen-Programms, welches bis in die 1980er Jahre hinein zum wichtigsten Fertigungsprogramm für Kaelble wurde.
Der erste selbst konstruierte Dieselmotor schließlich begründet im Jahre 1925 die Ära der Kaelble-Dieselzugmaschinen. Für den heutigen Ruhm sorgte eine andere Entwicklung, und diese nahm im fernen Berlin ihren Anfang. Der Ingenieur Johann Culemeyer, im Reichsbahnzentralamt zuständig im Dezernat für Sondergüterwagen, beschäftigte sich mit neuen Wegen, Ladevorgänge zu beschleunigen. Eine dieser Ideen war es, potentiellen Kunden, die über keinen eigenen Bahnanschluss verfügten, die Waggons auf den Firmenhof zu bringen. Der fahrbare Gleisanschluss war erfunden. Culemeyer entwickelte einen speziellen Straßenanhänger, der einen kompletten Güterwagen schultern konnte und der an jeden beliebigen Ort des Straßennetzes gezogen werden konnte. Um diese schwere Last über das allgegenwärtige Kopfsteinpflaster zu bewegen, waren besonders kräftig konstruierte Schlepper notwendig. Kaelble hatte derartige bereits im Angebot und lieferte eine dieser mit 60 PS damals stärksten Zugmaschinen Deutschlands zur Erprobung aus. Der Einsatz lohnte: In der Folge wurde Kaelble fast zum alleinigen Zugmaschinen-Lieferanten für die Deutsche Reichsbahn bzw. die Deutsche Bundesbahn nach dem zweiten Weltkrieg. Waren es in der Vorkriegszeit überwiegend dreiachsige Fahrzeuge vom Typ Z 6 R mit 100 PS Leistung und einer Zugkraft von 40000 kg, so bestanden die Neulieferungen an die Deutsche Bundesbahn aus zweiachsigen Typen. Zwischen 1948 und 1973 erhielt die Bahn 437 Zugmaschinen und mit einem beladenen Straßenroller am Zughaken brannten sie sich unlöschbar in die Erinnerungen eines jeden Verkehrsteilnehmers ein! Doch auch das andere Transportunternehmen im Staatsauftrag hatte gute Verwendungsmöglichkeiten für die schweren Brocken von Kaelble: Die Deutsche Bundespost. Für den Transport von schweren Fernmelde-Apparaturen oder von Kabeltrommeln mit Telefondraht beschaffte die Post von Kriegsende bis 1963 79 Zugmaschinen. Der letzte Auftrag aus dem Bonner Postministerium umfasste 20 Zugmaschinen vom Typ KDV 12 Z 6. Ein Blick auf die Typenbezeichnung schlüsselt die Fahrzeuge wie folgt auf: Das K kennzeichnet bei Kaelble alle Kraftfahrzeuge, das D verrät, dass es sich um ein dreiachsiges Fahrzeug handelt und das anschließende V bedeutet Vorderradantrieb. Die anschließende 12 bezeichnet die Tragfähigkeit des Fahrgestells in Tonnen, während der Buchstabe Z kenntlich macht, dass es sich bei dem entsprechenden Fahrzeug um eine Zugmaschine handelt. Schließlich bleibt eine 6 übrig, sie gibt die Zylinderanzahl des Motors wieder. Übersetzt ist eine KDV 12 Z 6 also ein dreiachsiges Kraftfahrzeug mit Allradantrieb in Ausführung als Zugmaschine, ausgelegt für 12 Tonnen Nutzlast mit einem Sechszylindermotor. Nicht in der Typenbezeichnung verschlüsselt sind andere technische Daten: Der Motor leistet 150 PS aus 8,1 Litern Hubraum und trotz der hohen Nutzlastkapazität beträgt das im öffentlichen Straßenverkehr zulässige Gesamtgewicht lediglich 14 Tonnen. Die 20 Zugmaschinen, alle im zementgrauen Anstrich des „Fernmeldedienstes“ werden auf Postdienststellen im gesamten Bundesgebiet verteilt. Ihre hohen Anschaffungskosten und der spezielle Einsatzzweck lässt die Fahrzeuge bei der Post sehr alt werden, noch bei der Umfirmierung des Fernmeldedienstes in Telekom waren einzelne Exemplare im Bestand vorhanden.
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