alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

MAN 515 L , Bj. 1955

Fahrzeugmarke: MAN   Zyl.-Anordnung: Reihe
Typ: 515 L1 Hubraum: 7.983 cm³
Spitze: 75 km/h Leistung: 115 PS
Hersteller: MAN bei: 2.000 U/min
Baujahr: 1955 Länge: 7.500 mm
Gewicht: 10.200 kg Breite: 2.500 mm
Motorart: Diesel Höhe: 3.440 mm
Zyl.-Zahl: 6

 

MAN 515 L 1 – mit „M“ wie „Motor“

Dieselmotoren galten bis in die jüngste Zeit als raue Gesellen, was ihre Betriebsgeräusche angeht. Erst modernste Technologien haben dem Dieselmotor gute Manieren beibringen können, so dass inzwischen sogar prestigeträchtige Luxuslimousinen mit Verbrennungsmotoren nach den Prinzipien von Rudolf Diesel ausgestattet werden. Das Verbrennungsgeräusch was wir auch gerne als „Nageln“ bezeichnen, galt im Personenwagenbereich lange Jahre als störend und konnte nur durch die ungeschlagen günstigen Betriebskosten wett gemacht werden. Im Nutzfahrzeugbereich zählten jedoch nur noch die Betriebskosten.
Ursächlich für das laute Verbrennungsgeräusch war bei einem Dieselmotor der direkt in den heißesten Bereich des Zylinders eingespritzte Kraftstoff, der im zerstäubten Zustand verbrannt wurde und seine Energie frei setzte. Hier setzte eine Entwicklung der MAN an, die 1954 die Serienreife erreichte und fortan in die Lastwagen des Hauses eingebaut wurde: Der M-Motor.

Ein kleiner Rückblick:
Seit 1937 befand sich bei den so genannten Globus-Motoren der Brennraum des Kraftstoffes in einer außermittig in den Kolbenboden eingearbeiteten kugelförmigen Kammer, die Bezeichnung „Globus“ deutete auf diese Kugel hin. Der eingespritzte Kraftstoff wurde dort unter heißer Luft verdampft und entzündete sich selbst. Siegfried Meuser, Ingenieur bei der MAN, verfeinerte dieses Verfahren derart, dass nun die den Brennraum darstellende Kugel in die Mitte des Kolbenbodens verlegt wurde. Der von einer schräg stehenden Düse eingespritzte Kraftstoff benetzte die Kugelwand gleichmäßig, verdampfte dort bei niedrigeren Temperaturen, mischte sich mit Luft und wurde durch glühende Kohlenstoffteilchen, die durch Selbstzündung luftverteilter Tröpfchen entstanden sind, fremd gezündet. Dieses „M-Verfahren“ genannte Prinzip revolutionierte den Dieselmotorenbau derart, als das nun aufgrund besser beherrschbarer Verbrennungsprozesse ein leiserer und effizienterer Dieselmotor denn je zur Verfügung stand. Da nur Zylinderkopf und Kolben gegenüber dem „G-Verfahren“ geändert werden mussten, konnte MAN das Lastwagenprogramm innerhalb kurzer Zeit auf Motoren mit dieser neuen Technologie umstellen.

Zeitgleich mit den M-Motoren präsentierte MAN den neuen 5-Tonner des Typs 515 L1. Dieser leichte LKW war für den Nahverkehr konzipiert, mit Anhänger und bei insgesamt 23,5 Tonnen Lastzuggesamtgewicht durfte aber auch die eine oder andere Fahrt im Fernverkehr zustande gekommen sein. Der eingebaute Sechszylindermotor vom Typ D 1046 M hatte bei einem Hubraum von knapp 8 Litern eine Leistung von 115 PS. Dass ein derart motorisiertes Gespann auf den wenigen Autobahnen und zahlreichen Landstraßen nicht zum Verkehrshindernis wurde, lag zum einen an der noch recht geringen Verkehrsdichte und zum anderen daran, dass auch die übrigen Verkehrsteilnehmer in unseren Augen nicht gerade üppig mit PS ausgestattet waren. 115 PS entsprachen immerhin der Leistung von fast vier 30 PS Standard VWs, dem Maßstab der Zeit!
Doch wenn kein Anhänger zu ziehen war reichte die Motorleistung für den beladen etwas über 10 Tonnen wiegenden Lastwagen gut aus, um im Verkehr mit zu schwimmen. Und für  Fernverkehrstouren hatte der Fuhrmann doch bestimmt einen MAN F 8 Schwerlastwagen im Stall stehen!

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