alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

Kaelble II, Typ KDV 832 SF, Bj. 1955

Typ: KDV 832 SF Umdrehungen bei: 1.600 U/min
Hersteller: Kaelble Aufbauart: Zugmaschine
Fahrgestell-Nr.: 15234 Zul. Achslast vorn: 7.500 kg
Motor-Typ: GN 130 A Zul. Achslast hinten: 15.000 kg
Motorart: Diesel Gesamtgewicht: 37.500 kg
Zyl.-Zahl: 8 Radstand: 4.870 mm
Zyl.-Anordnung: V 70 Grad Länge: 8.000 mm
Bohrung x Hub: 130 x 180 mm Breite: 2.500 mm
Hubraum: 19.100 cm³ Höhe: 3.150 mm
Leistung: 200 PS Erster und einziger Französiches Heer,
Besitzer: Panzerschlepper

 

Kaelble KDV 832 SF – Schwäbische Schwerkraft Teil I

Nachdem Kaelble in den 1930er Jahren fast zum alleinigen Zugmaschinen-Lieferanten für den neuen Straßenrollerverkehr der Deutschen Reichsbahn wurde, interessierte sich auch das Militär für die leistungsstarken Maschinen. Über die Kriegsjahre hinweg lieferte Kaelble fern von jeder Typenbeschränkung des Schell-Planes über 400 dreiachsige Schwerlastzugmaschinen an die Wehrmacht.
Im Juni 1945 begann bei Kaelble die Nachkriegsproduktion. Zunächst wurden bereits im Bau befindliche, wegen der Kriegshandlungen und der anschließenden alliierten Restriktionen aber nicht vollendete Zugmaschinen des Wehrmachtstyps fertig gestellt. Die anschließende Lastwagenfertigung wurde rasch um den Bau neu konstruierter Zugmaschinentypen ergänzt.
Zu Beginn der 1950er Jahre interessierte sich wiederum das Militär für die Backnanger Erfahrungen im Schwerlastbereich. Die amerikanischen Truppen in Deutschland bestellten dreiachsige Fahrgestelle als Basis für Mobilkrane und die französischen Truppen benötigten kräftige Zugmaschinen für den Panzertransport. Nach guter alter Manufaktur-Tradition entwickelte Kaelble für die Franzosen zwei verschiedene, allradgetriebene Zugmaschinen. Beide Dreiachskonstruktionen waren als Sattelzugmaschinen mit langem Radstand ausgelegt, die hinter der Fahrerkabine noch eine kurze Pritsche für den Material- oder Soldatentransport besaßen. Zwischen 1951 und 1955 wurden 191 Exemplare des schwächeren Typs KDV 631 SF und 20 starke des Typs KDV 832 SF ausgeliefert. Das hier gezeigte Exemplar gehört zu der stärkeren Variante.
Die Baureihe K 832 gehörte bei ihrer Vorstellung im Jahre 1951 zu den stärksten in Deutschland lieferbaren Lastwagentypen, lediglich übertroffen vom 10 PS stärkeren Krupp Titan. Die Motorleistung von 200 PS holte der Kaelble-Motor aus einem gewaltigen Hubraum von 19 Litern. In normaler zweiachsiger Fernverkehrsausführung steckte der V8-Motor unter einer klassischen Motorhaube, für spezielle Einsatzzwecke lieferte Kaelble auch ein Frontlenker-Fahrerhaus. Hier fand der monströse Motor seinen Platz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz. Für den Markt der Fernlastwagen waren LKW dieser Leistungsklasse fast schon eine Nummer zu groß, schließlich konnte man durchaus mit 150 PS die Kasseler Berge bezwingen.
Im Bereich der Schwerlastzugmaschinen galten 200 PS jedoch nicht als Luxus und auch für den Querfeldein-Einsatz waren die leistungsfähigen und robusten Konstruktionen wie geschaffen. Als Muldenkipper für Transportaufgaben im schweren Gelände fernab fester Wegeverhältnisse gehörten die Kaelble zur ersten Garde auf allen Großbaustellen in Deutschland. Die KDV 832 E genannte Kipperausführung war Europas größter Muldenkipper, ausgelegt für eine Nutzlast von bis zu 22 Tonnen. Die Sattelzugmaschinen des französischen Militärs brauchten solch hohe Lasten nicht zu schultern, sie mussten sie ziehen. Zur Beladung der entsprechenden Auflieger waren sie mit Seilzugwinden ausgestattet, die eine Zugkraft von 10 Tonnen hatten. Fortschrittlich war die Bauart mit Frontlenkerkabinen. Diese Anordnung des Fahrerhauses vor bzw. über der Vorderachse und im Regelfall auch über dem Motor – Büssing verlegte diesen zu Beginn der 1950er Jahre zwischen die Achsen und unter den Fahrzeugrahmen – gehörte zum Bauzeitpunkt zur fahrzeugtechnischen Avant-Garde. Dem Personal bot sie bei Rangiermanövern eine wesentlich verbesserte Sicht auf die Wegstrecke.
Auch wenn Kaelble dem Zugmaschinenbau bis in 1980er Jahre treu blieb, in Europa war dies für den Hersteller einer der letzten militärischen Aufträge. Die 1955 gegründete Bundeswehr bezog ihre Zugmaschinen fast ausschließlich aus dem Hause Faun, dem anderen Schwerlast-Spezialisten.

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