Faun L 7 – Deutz mal anders
Die Fahrzeugwerke Ansbach und Nürnberg, abgekürzt FAUN, begannen bald nach Ende des zweiten Weltkrieges wieder mit der Produktion von Müllwagen, einem Geschäftszweig, mit dem die Firma schon in den Vorkriegsjahren sehr gut im Markt vertreten war. Noch heute werden im zwischenzeitlich eigenständigen Werk Osterholz-Scharmbeck bei Bremen Müllwagen- und Kehrmaschinenaufbauten für alle marktgängigen LKW-Chassis unter diesem Markennamen gebaut. 1949 stellte Faun dann auch seinen ersten Schwerlast-LKW der Nachkriegszeit auf der Technischen Messe in Hannover vor. Basierend auf der Zugmaschine vom Typ ZR, die in den Kriegsjahren weiterproduziert worden durfte, kam nun ein Lastwagen für zunächst 6,5 Tonnen, ab 1950 dann 7,5 bis 8 Tonnen Nutzlast auf den Markt, der Faun L 7. Wie viele andere Nutzfahrzeughersteller auch, versah Faun seine Typenbezeichnungen mit zusätzlichen Endbuchstaben, die auf einen bestimmten Einsatzzweck deuteten: L für Lastwagen, S für Sattelschlepper, Z für Zugmaschinen und K für Kipper. Ein V am Ende der Typenbezeichnung stand bei Faun für „vorgebauter Fahrersitz“ und meinte einen Frontlenker. Bestimmten Typen war nach dieser Nomenklatur auch ein bestimmter Radstand zugeordnet, allerdings muss hier berücksichtigt werden, dass die „Serienproduktion“ der damaligen Zeit nichts mit dem mehr gemeinsam hat, was wir heute darunter verstehen! Angemessener wäre es, bei Faun von einer Manufaktur zu reden, was durch die Herstellung vieler individueller Spezialfahrzeuge auch gerechtfertigt ist. Der vollständige Name des hier zu sehenden Fahrzeugs aus dem Baujahr 1950 lautet Faun L 7 K, es ist also ein Kipper und hat einen Radstand von 4500 mm.
Faun versah seine Fahrzeuge schon seit jeher mit zugekauften Dieselmotoren, den eigenen Ottomotorenbau gab das Unternehmen schon zum Ende der 1920er Jahre auf. Neben Maybach-Ottomotoren machten Deutz-Dieselmotoren den Löwenanteil der eingebauten Aggregate aus. Ein Deutz-Motor in einem historischen LKW wird gerne gleichgesetzt mit „luftgekühlt“, aber es gibt Ausnahmen. Ab den 1930er Jahren führte Deutz für seinen Motorenbaukasten ein neues Bezeichnungsschema ein. Der erste Buchstabe ist entweder ein A oder ein F. Ein A bezeichnet einen „Aggregat-Motor“, das kann zum Beispiel ein Stationärmotor sein oder ein Motor für eine Lokomotive. Steht vorne ein F, so handelt es sich um einen Motor, der zum Einbau in ein Fahrzeug gedacht ist. Während die folgende Zahl die Zylinderanzahl angibt, kommt nun ein weiterer entscheidender Buchstabe der die Art der Kühlung angibt: ein L oder ein M. Das L steht für „Luft“, aber das M steht für „Medium“ und als Medium zur Kühlung ist Wasser vorgesehen! In den folgenden drei Ziffern ist weiterhin die Entwicklungsstufe und der Kolbenhub verklausuliert. Der Faun L 7 K besitzt einen Deutz-Motor vom Typ „F6M 517“, es ist also ein Fahrzeugmotor mit sechs durch ein Medium gekühlten Zylindern aus der fünften Entwicklungsstufe mit einem Kolbenhub von 170 Millimetern! Leistungsangaben und das für die Ermittlung des Hubraumes notwendige Maß der Kolbenbohrung gehen aus diesem Schema nicht hervor. Der Motor hat einen Hubraum von 13538 cm³ mit einer Leistung von 150 PS.
Der erste Faun Schwerlasttyp verblieb nur kurz in den Preislisten von Faun, er wurde bereits 1951 von der Baureihe L 8 mit 180 PS-Motor abgelöst.
Das breit gefächerte Portfolio mit Möglichkeiten, auch die kleinste Schraube zu individualisieren, kann jedoch im harten Wettbewerb mit den Großserienproduzenten nicht auf Dauer bestehen. Der letzte Lastwagen im klassischen Sinne verläst 1971 die Werkhallen im mittelfränkischen Neunkirchen am Sand. Spezialfahrzeuge wie Kranfahrgestelle und Schwerlastzugmaschinen blieben jedoch noch weiterhin im Programm.
Faun ist seit 1990 als „TADANO-FAUN GmbH“ im japanischen Besitz und nur noch im Bereich Mobilkräne tätig. |