alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

Büssing 8000 S, Bj. 1950

Fahrzeugmarke: Büssing   Zyl.-Zahl: 6
Erstbesitzer: August Mittermaier Zyl.-Anordnung: Reihe
Lastfuhrunternehmer Bohrung x Hub: 170 x 130 mm
Neugermaring Hubraum: 13.500 cm³
Tag der 1. Zulassung: 18.09.1950 Leistung: 150 PS
Fahrgestell-Nr.: 25133 Umdrehungen: 1.500 U/min
Typ: S 8.000-GD Länge: 8.300 mm
Spitze: 61,5 km/h Breite: 2.500 mm
Gewicht: 16.000 kg Höhe: 2.830 mm
Nutzlast: 7.785 kg Listenpreis: 35.745,00 DM
Motorart: Diesel

 

Büssing 8000 S – Schwerer Brocken für schwere Brocken

Büssing – diese zwei Silben lassen noch heute das Herz eines Enthusiasten höher schlagen.
Hauptverantwortlich für diesen Marken-Mythos war ein Lastwagentyp, mit dem die Firma mit dem Braunschweiger Löwen im Firmenemblem nach dem zweiten Weltkrieg an die lange Tradition der Schwerlastwagen der Vorkriegszeit anknüpfte. Der 1949 erschienene Büssing 7000 S, ein LKW für 7 Tonnen Nutzlast, wurde aus der Vorkriegstype 650 weiterentwickelt. Er machte aber durch eine Erhöhung der Nutzlast auf 8 Tonnen bereits 1950 Platz für eine Zahl, die Nutzfahrzeuggeschichte schreiben sollte: Der 8000er! An diesem Typ war und ist alles mächtig. Der Fahrer schob eine Motorhaube von über zwei Metern Länge vor sich her, sie ragte an ihrem First ebenfalls fast zwei Meter in die Höhe. Die Stoßstange hing nahezu einen Meter über dem Straßenpflaster und zielte mit ihrem Kuppelmaul genau auf die Kühlerfiguren der zeitgenössischen Personenwagen. Moderne Autos mit ihren geduckten aerodynamischen  Karosserien scheinen regelrecht aufgefressen zu werden, stellt man sie neben einen solch überwältigenden Lastkraftwagen, der seiner Bezeichnung alle Ehre macht. Kraftwagen! Und warum das Ganze? Der 13,5 Liter Hubraum messende Motor vom Typ GD 6 mit 150 PS wollte überdacht werden! Obwohl der Büssing 8000 S, so lautet seine vollständige Typenangabe, mit seinen 150 PS nicht zu den stärksten Lastwagen seiner Zeit zählt, so zählte er doch zu den Bekanntesten. Der Name Büssing genoss in den Fuhrmannskreisen der Wirtschaftswunderzeit noch den in der Vorkriegszeit erarbeiteten hervorragenden Ruf. Es war also kein Wunder, dass sich reichlich viele Unternehmer auf diese alten Tugenden besannen und sich für den Fernverkehr einen solchen Boliden auf den Hof stellten bzw. ihn gleich wieder auf die Straße schickten. Der große Markterfolg machte den 8000er sozusagen omnipräsent.
Aber auch fern der Landstraßen gab es für den 16 Tonner was zu tun. Als Kipper, ebenfalls in der 8 Tonnen Nutzlastklasse, empfahl er sich für schwerste Baustelleneinsätze die es im zerstörten Nachkriegsdeutschland zuhauf gab.
Doch seit mit der Währungsreform am 21. Juni 1948 wieder eine Marktwirtschaft entstand, ruhte auch die Konkurrenz nicht. Ein Wettrüsten um den stärksten Lastwagen begann, welches heute ihren Höhepunkt bei 600 PS für einen Fernlastwagen hat.
Krupp stellte 1950 seinen Titan mit zunächst 190 PS vor, dessen Leistung mit Beginn der Serienfertigung auf damals unerhörte 210 PS gesteigert werden konnte. Bei Henschel entwickelte man aus dem 1950 vorgestellten „Bimot-Bus“ im Jahre 1951 eine 190 PS leistende Sattelzugmaschine, die jedoch konstruktiv floppte. Beide Unternehmen setzten ihre großen Triebwerke übrigens aus zwei einzelnen Dreizylinder-Motoren zusammen. Doch während Krupp einen ganzen Motorenbaukasten entwickelt hatte, bei dem die Anzahl der Zylinder nahezu beliebig war, blieb es bei Henschel bei diesem Experiment. Die Lösung, zwei voneinander völlig unabhängige Motoren auf einen Antriebsstrang wirken zu lassen, konnte durch Schwierigkeiten bei der Synchronisation nicht überzeugen. Über all der Konkurrenz schwebte jedoch die kleine aber feine Firma Kaelble aus dem schwäbischen  Backnang. Ihr 1951 vorgestellter Schwerlastwagen, der Kaelble K 832, hatte nominell zwar nur 200 PS, der Motor schöpfte diese jedoch aus immerhin 19 Litern Hubraum, die auf acht Zylinder verteilt waren! Das entsprechend gewaltige Drehmoment lies die Konkurrenz an Steigungen schwach aussehen. Dem Verlangen nach höherer Leistung konnte sich auch Büssing nicht verschließen und stellte 1952 seinen weiterentwickelten Typ 8000 S 13 vor. Nun mit einem neuem Motor ausgerüstet – hierfür steht das S 13 in der Bezeichnung -  standen 180 PS zur Verfügung. Der Anschluss an den Wettbewerb war gemeistert. Der Stern dieser Riesen begann aber rasch zu sinken. Neue gesetzliche Bestimmungen über Fahrzeuglängen und Gewichte veränderten das Bild des Fernverkehrs, Raumökonomische Frontlenker-Konstruktionen übernahmen die Macht auf den bundesdeutschen Fernstraßen.

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