Mercedes-Benz L 701 oder Opel Blitz 3-Tonner – Zweimal dasselbe!
Einmalig in der Geschichte des deutschen Nutzfahrzeugbaus sind Umstände und Ergebnis einer Kooperation der ganz besonderen Art. Daimler-Benz startete die eigene Lastwagenproduktion nach Kriegsende mit einer fremden Konstruktion – dem Opel Blitz. Doch der Reihe nach:
Die Rüstungspläne der Reichsregierung beinhalteten auch die Einbeziehung der Kraftfahrzeugindustrie in die Kriegsvorbereitung. Mit Nachdruck wurden schon ab 1934 seitens der Wehrmacht die Entwicklung und der Bau militärischer Spezialfahrzeuge betrieben. Der weiteren Heeresmotorisierung standen aber technische Hemmnisse entgegen: Die in der technischen Gestaltung auf normalen Straßenbetrieb ausgelegten Fahrzeuge besaßen keine militärischen Qualitäten. Für die Heeresmotorisierung mit Lastkraftwagen sollte eine Identität zwischen Militär- und Wirtschaftsfahrzeugtypen erreicht werden. Als hinderlich erwies sich hierbei die starke Zersplitterung in unterschiedliche Baumuster, wie sie damals von der Industrie angeboten wurden. In den ersten sieben Monaten des Jahres 1938 baute die Fahrzeugindustrie 41.407 Lkw in 133 verschiedenen Typen. Erste Anforderungen an die Industrie, das breite Spektrum der unterschiedlichen Fahrzeugtypen zu beschränken und von staatlicher Seite die produzierten Typen festzulegen, datieren aus dem Jahr 1936. Zunächst wurde versucht, die Fahrzeughersteller selbst zu Einigung und entsprechenden Absprachen zu bewegen. Eine freiwillige Einigung der Industrie kam aus firmenpolitischen Gründen nicht zu Stande, so dass, staatliche Maßnahmen zu erwarten waren. Hermann Göring in seiner Funktion als Bevollmächtigter für den Vierjahresplan ernannte am 15. November 1938 Oberst Adolf von Schell zum Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen (GbK).
Schells Auftrag mündete in der Verordnung über die Typenbegrenzung in der Kraftfahrzeugindustrie, die am 2. März 1939 Rechtskraft erhielt. Das nach ihm benannte Typenprogramm enthielt Bestimmungen für die gesamte Kraftfahrzeugindustrie, auch Pkw-, Motorrad- und Schleppertypen wurden normiert und in ihrer Typenzahl begrenzt. Für den Lastwagenbau bedeutete dies eine Beschränkung auf vier Nutzlastklassen von 1,5 Tonnen, 3 Tonnen, 4,5 Tonnen und 6,5 Tonnen. Je Herstellerwerk durften zwei Typen gebaut werden. Von den 133 verschiedenen Lastwagentypen blieben nach dieser Beschränkung 21 Typen übrig. In der 3-Tonnenklasse bewährte sich besonders der Opel Blitz, der in einer neu errichteten Fabrik in Brandenburg entstand. Nach schweren Bombenangriffen fiel dieses Werk jedoch 1944 aus. Im Gegensatz dazu stand der 3-Tonner aus dem Hause Daimler-Benz, dessen kriegstechnische Bewährung zu Wünschen übrig ließ. Auf Druck der Reichsregierung verhandelten Opel und Daimler-Benz über eine entsprechende Lizenzfertigung des Opel Blitz im Daimler-Benz Werk Mannheim. Der Vertrag regelte überdies eine Produktion nach Kriegsende. Daimler-Benz setzte die Fertigung ab 1945 fort. Unter der internen Typenbezeichnung „L 701“ und ohne entsprechende Markenzeichen – weder der Mercedes-Stern noch der Opel-Blitz prangten am Fahrzeug – entstanden bis 1949 noch einige wenige Tausend Fahrzeuge. Erst 1949 stellte Mercedes-Benz mit seinem Typ „L 3250“ eine Neuentwicklung vor, die allerdings deutlich technische Verwandtschaft zum Opel Blitz erkennen ließ. Bei dem Opel Blitz dieser Sammlung handelt es sich um einen der bei Daimler-Benz gebauten Lizenz-Lastwagen. Mit Baujahr 1949 gehört er zu den letzten seiner Art, die die Montagehallen in Mannheim verließen. |