alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

Erkens White

Typ: Lastwagen 150 A   Eigengewicht: 6.940 kg
Baujahr: 1949 Nutzlast: 5.000 kg
Fahrgestell-Nr.: 102 36 01 Gesamtgewicht: 11.940 kg
Antriebsart: Benzig Länge: 9.500 mm
Leistung: 125 PS Breite: 2.500 mm
Zyl.-Zahl: 6 Höhe: 3.500 mm
Hubraum: 5.900 cm³

 

White – Amerikanisch-Belgischer „Coffre-Fort“

Auch wenn seinerzeit ein Konkurrenzunternehmen der Firma Erkens damit warb, ihre Möbelwagen seien so sicher wie ein coffre-fort, also ein Tresor, so ist es gerade die Kombination von verantwortungsvollem Fahrpersonal und elegantem Transportgerät, was Möbeltransporteure auszeichnete.
Die White Motor Company war ein nordamerikanisches Unternehmen, gegründet im Jahre 1918. Bereits 1901 wurden erste Lastwagen gebaut, noch unter dem Obdach der Firma White Sewing Machine Company. In Cleveland angesiedelt, verließen zunächst noch Dampflastwagen die Fertigungshallen. Erst ab 1910 gab man Benzinmotoren den Vorzug und verbaute sie fortan im Lastwagenprogramm.
Dampf als Antriebsquelle für Kraftfahrzeuge war um die Jahrhundertwende nicht unüblich. Das Automobil war gerade erst geboren und die definitive Antriebsmaschine war noch lange nicht gefunden. Neben Dampfautomobilen versuchten einzelne Hersteller mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ihr Glück in der Motorisierung der Welt. Während der Elektroantrieb hierzulande bis in die 1950er für bestimmte kommerzielle Einsatzbereiche üblich war, war dem Dampfantrieb keine Weiterentwicklung vergönnt. Zu schwerfällig war seine Beherrschung im immer dichter werdenden Straßenverkehr und das lange Vorbereitungsprozedere – Wasser kochen, Kohlen bunkern – mochte kaum jemand über sich ergehen lassen.
An den Begriff „Alternativantrieb“, der erst im Zeitalter eines gestiegenen Umweltbewusstseins aufkam, dachte in dieser Frühphase des Automobils noch niemand.
Doch zurück zu „unserem“ White. In der Vorkriegszeit waren amerikanische Lastwagenfabrikate im europäischen Fernverkehr ein alltäglicher Anblick. White, Diamond T und Co waren besonders in den Ländern beliebt, die keine nennenswerte nationale Automobilproduktion besaßen. Unternehmer in den Niederlanden und in Belgien kauften alles, mit dem man transportieren konnte. Als nach dem Zweiten Weltkrieg nunmehr überzählig gewordene Armee-Lastwagen der Alliierten Truppen dem Transportgewerbe als dringend gebrauchte Wiederaufbauhelfer zur Verfügung standen, tauchten auch einige „eingedeutschte“ GMC und Mack mit verbrauchärmeren Dieselmotoren überwiegend aus dem Hause Henschel auf den Bundesstraßen auf.
Wohl in Anknüpfung an Kontakte aus der Vorkriegszeit kaufte das Brüsseler Unternehmen Erkens im Jahre 1949 einen White für ihren Betrieb. Das Chassis aus der WA-22 Serie wird angetrieben von einem 125 SAE-PS leistenden Sechszylinder-Benzinmotor mit 5900 cm³ Hubraum. Den Möbelwagenaufbau besorgte ein belgisches Karosseriebauunternehmen – Chic und lecker anzusehen wie eine Brüsseler Praliné.
Obwohl recht durstig im Verbrauch, der in den USA als zweitrangig angesehen wurde, unterlag das Unternehmen nicht der Versuchung, einen verbrauchsarmen Dieselmotor nachzurüsten. Bis zum Jahre 1985, der Außerdienststellung bei der Firma Erkens, gurgelten tausende Liter kostbaren Benzins durch die nimmersatten Vergaser. Im Leben danach ist der White etwas sparsamer geworden, kommt er doch nun nur noch zu speziellen Anlässen aus seiner Halle.

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