Faun ZR – Die Lokomotive unter den Zugmaschinen
Eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der Firma Faun – der Fahrzeugwerke Ansbach und Nürnberg - wurde in den 30er Jahren getroffen. Die Antriebsmotoren für die eigene Lastwagen- und Zugmaschinenproduktion kamen fortan aus dem Hause Deutz. Nachdem die eigene Benzinmotorenfertigung bereits Ende der 20er Jahre eingestellt wurde und Maybach-Benzinmotoren an ihre Stelle traten, ging Faun mit der Zeit und setzte auf das Diesel-Verfahren. Mit vierachsigen Schwerlastwagen und großen Zugmaschinen behauptete sich das Werk auf dem Nutzfahrzeugmarkt in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg.
Den Durchbruch im Geschäftsfeld der Zugmaschinen schaffte die im Jahre 1938 vorgestellte Faun ZR 567. Die Deutsche Reichsbahn, die bereits seit einiger Zeit den Transport von Güterwaggons mit Straßenrollern zu Kunden ohne Gleisanschluss bewerkstelligte, hatte großen Bedarf an passenden Schleppern. Faun trat mit seinem Modell gegen die etablierte Konkurrenz der auf schweres Gerät spezialisierten Firma Kaelble aus Backnang an. Bis zum Jahr 1939 bestand der Zugmaschinen-Fuhrpark der Reichsbahn fast ausschließlich aus zwei- und dreiachsigen Kaelble-Fahrzeugen.
Doch auch die Wehrmacht interessierte sich für die Erfahrungen und Betriebsmittel der Reichsbahn, hatte diese doch mit spektakulären Transporten von schweren Lasten ihre Kompetenz bewiesen. Im zweiten Weltkrieg beschaffte das Militär nun ebenfalls Schwerlastzugmaschinen. Fern von jeden Typenbeschränkungen, die für normale Lastwagen galten, konnten Kaelble und Faun ihre Typen während der Kriegszeit weiter bauen.
1939 wurde die zweiachsige Faun ZR 567 auf den harmlos klingenden Namen „Verkehrsschlepper“ umgetauft, intern hieß sie nun Faun ZR. In beträchtlichen Stückzahlen wurde dieser Typ an Heer und Luftwaffe geliefert, aber auch die Reichsbahn erhielt zur Aufstockung ihres Bestandes einige Exemplare dieses Typs. Ab 1941 ergänzte die Faun ZRS das Programm, der Buchstabe „S“ in der Typenbezeichnung bedeutet hier Schiene. Als Zweiwegefahrzeug konnte die Faun ZRS auch auf Schienen fahren. In Gerätekästen waren die alternativ zu montierenden, mit Spurkränzen ausgerüsteten Schienenräder verstaut. Mit entsprechenden Distanzscheiben konnten Spurweiten von 1435 mm, 1524 mm für Russland sowie 1676 mm für Spanien eingestellt werden. Pufferbohlen nach Eisenbahnnorm waren vorne und hinten angebracht worden. Bis zu 10 Eisenbahnwaggons konnte die Faun ZRS als Rangierlokomotive bewegen. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Faun und Lokomotive war das Herz: Der Deutz-Dieselmotor vom Typ F6M 517 fand in seiner Abwandlung als Aggregat-Motor A6M 517 in Kleinlokomotiven bereits seit Jahren Verwendung. Während er in den reinen Schienenfahrzeugen auf eine Leistung von 128 PS eingestellt war, leistete er in den Faun ZR und ZRS 150 PS. Auf das Fahrgestell aufgebaut war eine Doppelkabine für das Personal sowie im Regelfall ein mit Ballast zur Erhöhung der Zugkraft befüllbarer Kastenaufbau. Für bestimmte Einsatzzecke konnte anstelle des Ballastkastens auch ein Kran montiert werden, die zwischen den Rahmenwangen eingebaute Seilwinde komplettierte jedoch bei allen Varianten die Ausstattung.
Die Kriegsereignisse verstreuten die zahlreichen Faun Zugmaschinen in ganz Europa, so wie dieses Exemplar bei einem Einsatz bis nach Odessa gelangte. In den Wirren der letzten Kriegsphase wurde diese Faun ZR von ihrem Stammfahrer noch bis südlich der Donau gefahren und so vor der heranrückenden sowjetischen Armee „in Sicherheit“ gebracht. Vom Kriegeinsatz zeugt noch heute ein Einschussloch im Gehäuse der Einspritzpumpe. Im Jahre 1948 gelangte sie in den Bestand der Österreichischen Bundesbahnen, wo ihr folgendes Arbeitsleben weitaus geruhsamer und vor allem friedlicher war. Mit dem montierten Kirsten-Kran auf der Hilfspritsche diente sie dem Abschleppen von Pannenfahrzeugen. So kamen bis zur Außerdienststellung im Jahre 1981 lediglich knappe 19.000 Kilometer auf den Zähler.
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