Die Firma Henschel fasste 1924 den Entschluss neben dem Lokomotivbau das Fertigungsprogramm um den Kraftwagenbau zu ergänzen. Dabei fingen die Ingenieure jedoch nicht bei Null an, sondern übernahmen eine zu diesem Zeitpunkt bereits bewährte Konstruktion: Die Schweizer Firma Franz Brozincevik & Co aus Wetzikon bei Zürich, kurz FBW genannt, lieferte das Vorbild für die ersten Henschel-Lastwagen, die auf der Deutschen Automobilausstellung 1925 in Berlin präsentiert wurden. Die Übernahme einer bewährten Konstruktion vermied das Auftreten von Kinderkrankheiten, die bei einer Neuentwicklung stets zu erwarten sind. Entsprachen die frühen Henschel-LKW tatsächlich den erworbenen Lizenzen, wurde beim gleichzeitig aufgenommenen Omnibusbau bereits ein eigener konstruktiver Weg gegangen. Die erste Henschel-Motorkonstuktion war der A-Typ, ein Vierzylinder-Vergasermotor. In der Folge benannte Henschel seine Motorentypen nach dem Alphabet. Mit dem J-Motor im Jahre 1935 erschien eine weitere Neukonstruktion, die nach dem 1932 zur Serienreife gebrachten Lanova-Luftspeicherverfahren arbeitete. Alle Hersteller von Dieselmotoren arbeiteten zu diesem Zeitpunkt daran, das Dieselprinzip zu vervollkommnen, die Laufkultur zu verbessern und den Verbrennungsprozess zu optimieren.
Beim Lanova-Verfahren, vom Ingenieur Franz Lang aus München entwickelt, befindet sich oberhalb des Brennraums eine zusätzliche Luftkammer, der Luftspeicher. In diesen gelangt beim Verdichtungshub ein Teil der komprimierten Luft. Gegenüber der Luftspeicherkammer ist die Einspritzdüse angeordnet. Beim Einspritzvorgang gelangt der überwiegende Teil des Kraftstoffnebels in die Brennkammer, ein kleinerer Teil davon ebenfalls in den Luftspeicher. Die höhere Verdichtung der Füllung im Luftspeicher leitet die Verbrennung ein, die anschließend nach unten in den eigentlichen Brennraum wandert. Die Speicherladung sorgt dort für eine intensive Durchwirbelung des Gemisches und damit für eine gleichmäßige und vollständige Verbrennung. Geringerer Verschleiß sowie ein ebenfalls geringerer Verbrauch ist die Folge.
Nach dem Lanova-Verfahren arbeiteten unter anderem auch einige BMW-Flugzeugmotoren, hier als Sternmotor, sowie als Zweitakter kleine Einbaudiesel der Pinneberger Firma JLO, die gerne in Traktoren verbaut wurden.
Doch zurück zum Henschel 6 J 1. Das Typenschema der Henschel-Lastwagen und Omnibusse der Vorkriegszeit mag auf den ersten Blick verwirrend und ohne Logik erscheinen. Diese erschließt sich jedoch recht schnell. Die erste Ziffer der Bezeichnung gibt die Nutzlastklasse an, sind zwei Ziffern an den ersten Stellen und die erste davon ist eine 3, so kennzeichnet diese dreiachsige Fahrgestelle, beispielsweise 36 W 3. Der anschließende Buchstabe ist der Motortyp, die letzte Ziffer steht für den Radstand. Ein 6 J 1 ist demnach ein 6-Tonner mit J-Motor (6 Zylinder, 125 PS, 11780 ccm Hubraum) und kurzem Radstand. Die Ziffern 2 und 3 kennzeichnen den normalen und den extra langen Radstand. Gebaut wurde der 6 J 1 von 1935 bis 1939, wobei er zu den größeren Kalibern auf den Landstraßen und wenigen Autobahnen gehörte. Mit maximal 65 km/h ging es durch die Lande, wobei die Höchstgeschwindigkeit nur aus heutiger Sicht gering erscheint. Auch das Militär bediente sich seinerzeit der in der Bauwirtschaft beliebten Henschel-Kipper, wie dieses Exemplar von 1936 zeigt, welches an die Pioniereinheit des Feldeisenbahn-Kommandos der Deutschen Wehrmacht geliefert wurde.
Mit ziemlicher Sicherheit durfte er dabei auch im gleichen Hause gebaute Feldbahnlokomotiven auf seiner Ladefläche transportieren.
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