1935 stellte Mercedes-Benz als zweitgrößten LKW seines neuen Programms den L 6500 vor. Größer war nur noch der gewaltige Dreiachser L 10000. Mit diesem gemeinsam hatte der L 6500 den 150 PS aus 12,5 Litern Hubraum leistenden Dieselmotor vom Typ OM 54. Laut Typenbezeichnung vorgesehen war eine Nutzlast von 6,5 Tonnen bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 13,9 Tonnen. Spätestens in den 30er Jahren hatte sich der Dieselmotor endgültig gegenüber Bezinmotoren im Lastwagenbau durchgesetzt. Versuche von Henschel, die Dampfkraft im Schwerlastverkehr zu etablieren, scheiterten.
Der politisch motivierte Ausbau des Autobahnnetzes ermöglichte es, immer größere Lasten bei immer höheren Geschwindigkeiten zu befördern. In der Nutzlastklasse von 6,5 Tonnen boten die Hersteller eine große Auswahl an Fahrzeugen auf dem Markt an. Oftmals wurden die LKW mit 2 Anhängern auf Fernfahrt geschickt. Die in den Papieren angegebene Höchstgeschwindigkeit wurde so jedoch nur mit viel Anlauf oder bergab erzielt.
Die Blüte des Fernverkehrs war jedoch nur eine Scheinblüte, vielmehr steckte das Kalkül der Kriegsvorbereitung in der Knospe. Endgültig vorbei mit der Fernfahrer-Herrlichkeit war es bei Kriegsbeginn im September 1939. Der Weiterbau von Fernlast-LKW über 5 Tonnen wurde untersagt. Für militärische Zwecke wurde die LKW-Industrie nach dem Schell-Plan dazu gezwungen, ihre Kapazitäten auf die Konstruktion von Fahrzeugen bis zu 4,5 Tonnen Nutzlast zu beschränkten. Militärischen Gedanken nach waren für den Kriegseinsatz genügend Lastwagen höherer Tonnageklassen vorhanden, so daß dieser Bereich abgedeckt erschien. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wurden alle Lastwagen zum Kriegseinsatz requiriert.
Der Mercedes-Benz Typ L 6500 wurde von 1935 bis 1940, solange reichten wohl die Vorräte, in insgesamt 2137 Exemplaren gebaut. Nur wenige Fahrzeuge dieses Typs dürften überhaupt den Krieg überstanden haben. Die wenigen Übriggebliebenen wurden bis in die 50er Jahre, als der Markt neue Konstruktionen anbot, zerschlissen und aufgebraucht.
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