alga-Nutzfahrzeugemuseum

 

Büssing GLn
Schöner Wohnen

Fahrzeugmarke: Büssing Motorart: Cummins Diesel
Typ: FD 6 Baujahr 1950
Spitze: 100 km/h Leistung: 165 PS
Hersteller: Büssing    
Baujahr: 1930 Länge: 10.050 mm
Gewicht: 14.000 kg Breite: 2.400 mm
Zyl.-Zahl: 6 Höhe: 3.320 mm
Zyl.-Anordnung: Reihe

 

Möbelwagen waren stets die feineren Nutzfahrzeuge. Ihrem Einsatzzweck entsprechend, durfte und sollte ihre Erscheinung repräsentativ wirken. Man stelle sich vor, bei einem Umzug kommt der beauftragte Unternehmer mit einem einfachen Lastwagen vorbei, mit dem er gestern noch profanes Stückgut befördert hat. Undenkbar, schließlich möchte man sein persönliches Hab und Gut in den besten Händen wissen. Die Professionalität des Fuhrmanns spiegelt sich hier am besten in der Wahl des Transportgerätes wieder. Wenn der Lastwagen ein elegantes Aussehen hat und harmonisch lackiert ist, dann wird auch dem Kunden schnell verständlich: Vertraue mir! Fahr mit mir! Bei mir sind deine Möbel, die dein Leben bedeuten, sicher aufgehoben!
Eleganz und Technik müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, spätestens seitdem in den 1920er Jahren die Gestaltung eines Kraftfahrzeugs von „Designprofis“ übernommen wurde. Möbelwagen boten da mannigfaltige gestalterische Möglichkeiten. Die Gestaltung der Fahrzeugfronten, Verzierungen der Aufbauflächen, die Form des Daches, überall konnte durch die geschickte Anordnung von Details ein harmonisches Ganzes geschaffen werden, was durch die Wahl der Farben und der Schrifttypen unterstrichen wurde.
Im Idealfall entsprach der Stil eines Möbelwagens dem Design der von ihm transportierten Möbelstücke.
In Europa haben sich zu diesem Zeitpunkt unterschiedliche Stilrichtungen beim Fahrzeugdesign entwickelt. Organische Rundungen in Italien, Extravaganz in Frankreich, skurile Designhaufen in England, die Übernahme von Gestaltungselementen des Art Déco in Benelux.
Der hier gezeigte Möbelwagen ist ein eindrucksvoller Beweis für die Gestaltungskünste Belgiens.
Es ist ein Fahrgestell der Firma Büssing in der sogenannten Niederrahmenbauweise, gebaut im Jahre 1930. Den Aufbau steuerte eine kleine Karosseriebaufirma aus dem Brüsseler Raum bei, handwerklich und gestalterisch auf ganz hohem Niveau.
Von seinem Besitzer mühsam über die Jahre des zweiten Weltkrieges gerettet, begann in der Nachkriegszeit die zweite Blüte des Lastwagens. So war der Motor nach 20-jähriger Betriebszeit inzwischen am Ende seiner Nutzungsdauer angelangt und wurde ersetzt. Bei der Remotorisierung des Fahrzeugs kam ein amerikanischer Cummins-Dieselmotor zum Einbau. Um Raum für den neuen Motor mit 165 PS Leistung zu schaffen, musste die Haube umgestaltet werden. Sie wurde verbreitert und verlängert, weiterhin wurde vor dem eigentlichen Kühler eine Blende mit der damals aktuellen Büssing-Spinne angebracht. Dieser gestalterische Kniff lässt das Fahrzeug dann auch moderner aussehen, als es ist. Der ursprüngliche Kühler mit den sichtbaren und charakteristisch angeordneten Lamellen war das Markenzeichen der Büssing-LKW der ausgehenden 1920er und beginnenden 1930er Jahre.
Von der Fahrgeschwindigkeit wurde das Kühlwasser so direkt in den Wind gestemmt und die Betriebstemperatur des Motors geregelt.
Kühlerblenden, auch Kühlergrill genannt, sind auch heute noch das prägende Designmerkmal eines Automobils.

Die Firma Erkens aus Brüssel nutzte diesen Büssing-Möbelwagen, zusammen mit weiteren schmucken Fahrzeugen, bis in das Jahr 1981.

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